Fallbeispiele

Türkei: Die Munzur-Staudämme

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Acht Staudämme sollen am Fluss Munzur in der türkisch-kurdischen Provinz Dersim gebaut werden. Der Fluss ist das Herzstück des größten türkischen Nationalparks: 43 endemische Arten wären gefährdet. Österreichische Firmen sind beteiligt - ob dafür Exportgarantien vergeben werden, ist nicht zu erfahren.

Die Provinz Dersim, offizieller Name Tunceli, gehört zu den waldreichsten Regionen in Kurdistan. Hier befindet sich eine der reichhaltigsten Ansammlungen an seltenen Tier- und Pflanzenarten des Nahen Ostens (u.a. Bären, Wölfe, Fischotter, Geier, Adler, Zedern, Walloneneichen).

Der Fluss Munzur/Nationalpark

In dieser wertvollen Naturlandschaft wird schon seit Jahren an der Errichtung von acht Staudämmen am Fluss Munzur gearbeitet. Zwei Dämme wurden schon beinahe fertiggestellt. Mit dem Bau bei den anderen sechs Staudämmen ist die Planungsphase fast abgeschlossen. Insgesamt soll die Leistung der acht Kraftwerke aber nur knapp 362 MW betragen (Das Kraftwerk Kaprun allein bringt es auf 330 MW).

Auswirkungen

Die Staudämme haben langfristig weder für die Region, noch für die türkische Wirtschaft einen nennenswerten Nutzen. Durch die acht Staudämme wird der Fluss Munzur seinen natürlichen Verlauf fast völlig verlieren. Mit der Fertigstellung der Dämme wird sich das Klima erheblich verändern. Es wird, wie auch bei anderen Stauseen, wärmer werden, was sich auf Niederschlag, Temperatur und Artenvielfalt auswirken wird. Durch die entstehenden künstlichen Seen verringert sich die Selbstreinigungskraft des Flusses beträchtlich. In mehreren Städten werden die Abwässer ungeklärt in den Munzur geleitet, da es keine Kläranlagen gibt. Die Entstehung großer Wasserflächen könnte außerdem zur Ausbreitung von Malaria führen. Zudem bewirken die Stauseen eine Fragmentierung des Lebensraumes.

Das Staudammprojekt bedroht den "Munzur-Nationalpark", mit 42.000 ha der größte Nationalpark der Türkei. Die meisten der über 1.500 in der Türkei heimischen Pflanzenarten sind im Munzurtal zu finden. 43 Arten existieren nur am Munzur - sonst nirgendwo auf der Welt. Durch die Staudämme könnten viele dieser Arten für immer verschwinden. In der Türkei und Europa haben sich mehrere Komitees zur Rettung des Munzurtales gebildet.

Am Bau der Staudämme sind die österreichischen Firmen VA Tech Elin und Strabag beteiligt. Die Oesterreichische Kontrollbank teilt nicht mit, ob sie für diese Firmen Exportgarantien übernimmt.

Weitere Infos über die Munzur-Dämme:
- Ausführliche Hintergrundinfo und Fotos beim European Rivers Network: www.rivernet.org/turquie/munzur.htm
- Artikel im Kurdish Observer: www.kurdishobserver.com/2001/03/06/hab01.html

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